Pfarrei Herz Jesu, Peru – Ausschuss
Bankverbindung: Kath. Kirchengemeinde Herz Jesu
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„Besonders glücklich bin ich, wenn einer glücklich ist den ich liebe“
Sei Shonagon
Brief von Samuel - unser Voluntario in Peru
Hallo zusammen,

nun ist es wieder an der Zeit, euch an meinem Leben hier in Peru durch meinen dritten Rundbrief teilhaben zu lassen. Hier in Santiago de Chuco hat seit mitte Dezember die Regenzeit richtig eingesetzt und hält Santiago weiter fest im Griff und bestimmt den Tagesablauf seiner Bewohner. Es ist viel passiert in den letzten drei Monaten. Von Weihnachten über Silverster, den Schulferien bis hin zu den Ostervorbereitungen.

In meiner Arbeit habe ich ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Das Schuljahr lief zu Weihnachten hin aus und keiner wusste, wie es weitergeht. Es kam bis auf den Kindergarten keine Klasse zu stande, weil schlichtweg zu wenige Eltern ihre Kinder angemeldet haben. Somit deuteten alle Zeichen auf die Schließung der Grundschule hin und damit verbunden der Verlust meiner Schüler, die ich liebgewonnen hatte. Das hat mich sehr traurig gemacht. Die Weihnachtsfeier der Schule hat eher einer Beerdigung geglichen als einer Feier. Für mich haben die Schulferien mit der Ungewissheit begonnen, wo ich nach den Ferien wieder arbeiten könnte, denn das Unterrichten ist ein großer Bestandteil meiner Arbeit gewesen. Ich habe mich schon auf einen Neustart eingestellt. Mit neuer Arbeit, neuen Kindern und anderen Lehrern. Auch der Rektor der Grundschule hatte hier keine Arbeit mehr und zog zurück an die Küste. Wir sind gute Freunde und er ist eine Vertrauensperson für mich hier geworden, auch wenn es nicht immer einfach mit ihm war, denn er hat einen besonderen Charakter, der nicht immer leicht zu verstehen ist. Kurz vor Schulstart (Anfang März) hat sich doch nochmal alles geändert. Für die neue erste Klasse haben sich nachträglich mehr Kinder, bis jetzt 10, eingeschreiben.

In den Ferien gab es ein Ferienlager für Kinder in der Nähe von Trujillo. Rebini (Retiro Biblico para Niños) ist ein Programm, das für eine Gruppe von Kindern eine Woche lang dauert. Aus Santiago kamen dieses Jahr 16 Kinder, so kam ich als Gruppenleiter dazu. Ich war ein Leiter für eine Altersgruppe. Die Kinder werden in Altersgruppen aufgeteilt. In dieser Gruppe bleiben sie die Woche über zusammen, was eben heißt, dass sie auch alles zusammen machen. Basteln, spielen, essen, schlafen, waschen. Ihr Leiter war dafür verantwortlich, dass dies auch alles ordungsgemäß geschieht.

Ein anderer Teil meiner Arbeit sind die Fahrerdienste mit der Camioneta. Da die Patronatsfeste vorbei waren, denn in der Regenzeit gibt es kein einziges, gab es nicht viel Arbeit. Bis auf eine Ausnahme. Es kam an zwei Wochenenden jeweils eine Missionarsgruppe. Die Missionare sind von Trujillo. Sie machen das freiwillig für die Dorfbewohner in den Dörfern rund um Santiago. Die Missionare bringen den Leuten den katholischen Glauben näher, an Weihnachten natürlich mit Schwerpunkt auf die Weihnachtszeit. Neben der Liturgie gibt es immer eine heiße Schokolade. Für alle Kinder ein kleines Geschenk (Spielzeug). Zudem werden Kleider verteilt, die von Spendern aus Trujillo kommen. Die Missionare gibt es erst seit wenigen Jahren, doch sie sind ein voller Erfolg. Eine Frau von einem Dorf war katholisch, ist aber dann zu einer Sekte übergetreten. Als die Missionare kamen, wechselte sie wieder zurück, mit der Begründung, der katholische Glauben ist doch ganz gut. In den Dörfern gibt es selten bis nie Besuche vom Pfarrer oder Schwestern. Die Dorfbewohner wissen nur wenig von ihrem Glauben. Darum hat die Frau damals gewechselt und dann wieder zurück.
Ich musste die Missionare jeweils in ihr Dorf fahren und am nächsten Tag wieder abholen. Das ganze lief so ab. Die Missionare kamen am Tag zuvor nach Santiago. Am nächsten Morgen ging es dann los, es wurden die ganzen Spielzeuge, Klamotten und Sachen für die Schokolade aufgeladen und ins Auto kamen dann die ganzen Missionare, denn die Dörfer lagen meistens in der gleichen Richtung. So konnte ich sie alle nach und nach abladen. Für mich war es nicht einfach nur Arbeit, bei der ich irgendwen wo hingefahren hab, es war mehr. Ich habe tolle Gespräche während der Fahrt geführt, neue Erfahrungen sammeln können und viele neue Peruaner kennengelernt und somit viele neue Mentalitäten.

In der Gemeinde war nicht viel los, denn die ganzen Gruppen(Firmung, Erstkommunion) waren schon fertig. Los geht es erst wieder nach den Ferien. In den Ferien ist nicht nur in der Gemeinde wenig los, sondern in ganz Santiago. Mit Ausnahme am Anfang, denn da stand Weihnachten vor der Tür. Weihnachten wurde kleiner gefeiert, als ich es aus meiner deutschen Gemeinde kenne. Denn hier gibt es nur den heilig Abend und den ersten Weihnachtsfeiertag. Auch die Vorbereitungen blieben fast aus. Es gab nicht diesen Weihnachtstress. Auf einmal war der 24. Dezember da, was ich als sehr angenehm empfand. Dieses Jahr wurde Weihnachten zum ersten Mal ganz anders, als all die Jahre zuvor. Ich habe nicht wie gewohnt die Geschenke am 24 verpackt, bin danach nicht zur Ministrantenprobe gegangen und habe anschließend nicht den Weihnachtsbaum geschmückt. Nein, ich hatte weitere Fahrerdienste. Nestor, ein bekannter Rosenkranzvorbeter, wollte ein Dorf besuchen und mit den Bewohnern einen Wortgottesdienst feiern. So habe ich ihn dort hingebracht. Er musste auch später wieder abgeholt werden, aber da Pfarrer Reinhold zu diesem Zeitpunkt mit der Camioneta in einem anderen Dorf war, musste ich auf das Motorrad ausweichen. Wir hatten Glück, denn trotz einer kleinen Panne, die wir provisorisch beheben konnten, kamen wir noch vor dem Regen an. Just in dem Moment, als wir in Santiago ankamen, hat es angefangen zu regnen. Abends, kurz vor der Abendmesse in Santiago hat es wie aus vollen Eimern geschüttet und es war kalt. Somit war das Wetter das Einzige, was ziemlich gleich war wie in Deutschland. Ich konnte nicht an der Messe in Santiago teilnehmen.

In den Schulferien war ich einiges unterwegs. Ich habe eine Woche lang die Partnergemeinde meiner Heimatpfarrei besucht. Die Pfarrei Pacora und Illimo liegt bei Chiclayo, an der Küste im Norden Perus. Ich wurde herzlich empfangen. Gewohnt habe ich im Haus von Padre Lucho, was sich als gut erwiesen hat. Denn mit ihm konnte ich dann zusammen verschiedene Pfarreigruppen besuchen. Der Besuch war für mich ein Erlebniss der besonderen Art. Ich habe so viel Wärme und Offenheit erhalten, das Pfarreileben kennengelernt und war bei so vielen Leuten zum Essen eingeladen worden. Mir wurde die Gegend gezeigt. Die Jugendlichen haben mich mit offenen Armen empfangen. Die Woche war außergewöhnlich. Ich muss zugeben, dass ich vorher nicht viel am Hut hatte mit Partnerschaft, aber jetzt wo ich dort war und erlebt habe, wie sie die Partnerschaft leben, das hat mich mitgerissen. Das ist für mich Partnerschaft. Ein besonderes Erlebnis war, als ich mit der Jugendgruppe von Illimo abends einfach zusammen in einer Runde stand. Da haben wir ziemlich lang geredet, Witze gemacht und jede Menge gelacht. Es kam mir vor, als wenn wir uns schon ewig kennen würden. Dabei kannten wir uns nur wenige Tage. Mit der Jugendgruppe von Pacora habe ich einen Ausflug zu einem Wasserkanal gemacht. Dort konnte man ein bisschen baden. Danach war man allerdings voller Sand. Verbunden wurde der Ausflug mit einem Gang über ein Feld, welches einer der Jugendlichen gehörte. Sie hat mir das ganze Obst gezeigt, welches dort wächst. So viele verschiedene Früchte in der Natur habe ich noch nie gesehen. Mir wurde geduldig erklärt, wie die Frucht heißt und wie man sie isst Das war manchmal gar nicht so einfach. Ein bisschen schade war, dass eben auch dort Schulferien waren, d.h auch ihre Pfarreigruppen waren gerade nicht so aktiv und einige waren nicht da. Trotzdem war es einer meiner schönsten Wochen hier in Peru.
In den Ferien war auch das große Seminar für alle 14 Volunatrios. Wir waren für eine Woche in einem Haus von der deutschen Humboldtschule untergbracht. Dort haben wir eine Reflexion über das letzte halbe Jahr gemacht. So erfuhren wir, wie es den anderen bisher erging, was sie bewegt und bedrückt hatte. Jeder hat sich für das zweite Halbjahr Ziele gesetzt, die er erreichen will. Unserer Kreativität haben wir ebenfallfs freien Raum gelassen. So enstand ein tolles Projekt, welches wir zusammen mit Peruanern verwirklichen wollen. Es war eine Woche, die auch zum Entspannen genutzt wurde und um neue Motivation fürs zweite Halbjahr zu tanken.
In den Schulferien hatte ich neben meinem Partnerschaftsbesuch und dem Seminar, die Möglichkeit zu reisen. Dies habe ich genutzt, um das Land noch ein bisschen besser kennenzulernen. Da ich vom Süden nicht viel kannte, habe ich beschlossen, die Voluntarios an der Südküste zu besuchen. Es war eine tolle Zeit. Ich habe die Einsatzstellen der Voluntarios kennengelernt, ihre Familien und Freunde. Sie haben mir ihre Lieblingsplätze der Stadt gezeigt und ich konnte ein bisschen in ihrem Alttag mitleben. Dadurch habe ich die Orte nicht wie ein normaler Tourist kennengelernt. Ich durfte auch dort am normalen Leben teilhaben.
Es ist schon Ende März , die Zeit vergeht. In gut 4 Monaten endet mein Jahr. Da bleibt nicht mehr viel. Aber wenn ich so zurückschaue, kann ich behaupten, dass ich zufrieden bin. In dem Sinne Tschüss bis zum nächsten und letzten Rundbrief!!
Wer Fragen hat oder mir einfach so schreiben will, darf das gerne tun. Meine E-mail-Adresse ist samuelito.nann@gmx.de
Santiago de Chuco, 25.03.2011
Samuel Nann
Auszüge aus Emails, Fax, Briefen aus unseren Partnerpfarreien San Juan Bautista in Illimo und San Pablo in Pacora / Peru, die uns seit der 2. Oktoberhälfte 2011 erreicht haben – nach der Rückkehr von Padre Lucho, Blanca und Miguel nach Peru von ihrem fast 4-wöchigen Besuch in unserer Pfarrei Herz Jesu
Padre Lucho schreibt:
(20.10.) Seit gestern bin ich wieder in Illimo in meinem Haus. Schon um 10.00 Uhr feierte ich den ersten Gottesdienst in einem Caserio zu Ehren des Festes „Herr der Wunder“, das in Peru in großer Weise gefeiert wird. Heute hatte ich auch schon Unterricht in der Schule. In meinem Herzen, in meiner Seele und in meinem Geist fühle ich eine große Traurigkeit. Die Leute begrüßen und umarmen mich – aber ich bin noch nicht ganz hier. Gestern Abend nach dem Gottesdienst in Pacora habe ich bei einer Tasse Kaffee schon ein wenig von der Reise und den vielen Erlebnissen bei euch in Deutschland erzählt. Heute Abend werde ich bei einer Sitzung der Partnerschafts-Gruppe eure Briefe und Geschenke übergeben.
(21.10.) Bei der gestrigen Sitzung sprachen Blanca, Miguel und ich von unseren Erfahrungen und Erlebnissen. Ich habe euren Brief an die Partnerschaftsgruppe vorgelesen mit eurem besonderen Hinweis auf die gemeinsame und eine Partnerschaft Illimo/Pacora. Miguel erzählte mit großer Freude und Emotion von seinen vielfältigen Erlebnissen.
(26.10.) Ich feiere wie alljährlich zum Fest „Herr der Wunder“ in Illimo täglich die hl. Messe in einem anderen Sektor des Dorfes – in Pacora in diesem Jahr wegen Straßenbauarbeiten nur an zwei Tagen. Das Bildnis vom „Herr der Wunder“ wird in Prozessionen von einem Sektor in den anderen getragen. Die Laien bereiten die Gottesdienste vor.
(30.10.) Heute feierten wir in Chiclayo mit allen Partnerschaftsgruppen der Diözese das Jubiläum „25 Jahre Partnerschaft mit der Erzdiözese Freiburg.“ Wir erinnerten u.a. an die vielen sozialen Projekte, die in diesen Jahren für die Armen realisiert werden konnten und sprachen die Hoffnung und Erwartung aus, dass wir die Arbeit weiterführen können, um am Reich Gottes zu bauen, am Reich der Gerechtigkeit, des Friedens und der Liebe. Als Verantwortlicher der Partnerschaft in der Diözese Chiclayo hielt ich die Predigt und war auch verantwortlich für den weiteren Ablauf des Tages. Auf einem Tisch hatten wir, die Vertreter aus Illimo und Pacora, ausgebreitet, was wir von unserer Reise mitgebracht hatten: Fotos, Zeichnungen der Kinder aus dem Kindergarten Herz Jesu, das große Plakat des Voluntario Coco von seinem Besuch in unseren beiden Dörfern im Frühjahr 2011, das wunderschöne Buch mit den vielen Fotos aus den 18 Jahren Partnerschaft Herz Jesu/San Juan Bautista/San Pablo, das Ottmar und Gabi Möhler gestaltet und uns geschenkt haben etc. Leider waren nicht alle Priester der Partnerschafts-Gemeinden anwesend. Am Nachmittag erfreuten wir uns an Spielen Alt gegen Jung, Singen und Tanzen.
(01.11.) Mit dem Vorstand der Partnerschaftsgruppe: Dominika, Augusto, Maria, Graciela, Jisela und Miguel hatte ich eine Sitzung, es ging darum festzulegen, wer im November d. J. nach Lima reisen darf zu den großen Feierlichkeiten anlässlich des 25jährigen Jubiläums der Partnerschaft in Anwesenheit von Erzbischof Zollitsch. Wir wurden gebeten, den Pfarrer und vier Laien zu benennen. Wir sind euch dankbar, dass aus dem Partnerschaftskonto ein Zuschuss zu den Reisekosten gezahlt werden kann. Alle hätten Lust zu reisen!!
(04.11.) Gestern kam ich spät aus Puerto Eten zurück, wo der Konvent der kanadischen Schwestern sein 50jähriges Jubiläum feierte. Die Schwestern hatten mich gebeten, beim Gottesdienst die Festpredigt zu halten. Es waren 20 Ordensschwestern da, z.T. aus Kanada angereist, und der kanadische Bischof San Juan de Terranova hielt den Gottesdienst. Nach dem Abendessen gab es ein großes Fest; die Schwestern hatten große Freude, auch mit dem Bischof zu tanzen und auch ich tanzte mit. Einige pastoralen Mitarbeiter aus Illimo und Pacora hatten mich begleitet.
(08.11.) Heute Nachmittag hörte ich Kommunionkindern und deren Eltern die Beichte. Am Abend feierten wir den monatlichen Partnerschafts-Gottesdienst und dachten an alle Geburtstagskinder in diesem Monat, u.a. von euch in Herz Jesu Herr Kiefer, Gerhard und Bernhard Weick. Nach dem Gottesdienst tranken wir einen Pisco sour und Miguel zeigte einen Film, den er beim Papstgottesdienst in Freiburg aufgenommen hatte. Wir wählten dabei auch die vier Laien, die zum Jubiläums-Partnerschaftstreffen nach Lima fahren werden: Dominica, Augusto, Graciela und Miguel.
(11.11.) Heute besuchte ich zusammen mit einigen pastoralen Mitarbeitern eine Familie, in der ein junger Mann von 21 Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen war. Es waren sehr traurige Augenblicke; der Vater ist völlig zerstört in seinem Herzen.
(14.11.) Heute feierten in Illimo 52 Kinder ihre Erstkommunion, darunter auch die Kinder von Miguel und Maria: Johanna, Lesly und Dina. Ich spendete die Kommunion unter beiderlei Gestalten, tauchte die Hostie in den Kelch – ich wollte den Kindern diese Erfahrung schenken. Ich wollte es so machen, auch wenn es in der Diözese nicht üblich ist. Die Kinder tragen keine weißen Kleider, sondern ihre Schulkleidung. Alle haben eine Kerze in der Hand, entzünden diese nach dem Empfang der Kommunion und werden dabei von ihren Eltern begleitet. Alle (ca. 120 Personen) aßen danach gemeinsam im Pfarrsaal zu Mittag; die Ehepaare und die jungen Animadores, die die Kinder vorbereiteten, hatten alles organisiert. Maria Isabel las eure Glückwünsche vor; alle waren dankbar darüber und applaudierten heftig.
(06.12.) Wir Fünf, Dominica, Augusto, Graciela, Miguel und ich, sind am Freitag in der Nacht nach Lima zum großen Jubiläumstreffen gefahren; jeder war bei einer anderen Familie untergebracht. Es war eine große Freude, Erzbischof Zollitsch, Monsignore Sauer, Pfarrer Ocker und Inge Auer sowie meinen Freund Erzbischof Salvador Pineiro aus Ayacucho zu treffen und zu begrüßen. Wir hörten Vorträge über die Partnerschafts-Arbeit in den Diözesen, über den Umweltschutz und die Bewahrung der Schöpfung. Den Abschluss-Gottesdienst feierten drei Bischöfe und eine große Zahl von Priestern – es macht mir immer wieder Sorgen, dass aus unserer Diözese Chiclayo nur Bischof Jesus Moliné und ich als Priester dabei waren.
(11.12.) Morgen, Sonntag, war der Eröffnungsgottesdienst der Weihnachtschöre der Kindergruppen. In Illimo nehmen 19 Gruppen, in Pacora leider nur 6 Gruppen teil, was mir Kummer und Ärger bereitet. Wir sind bei der Vorbereitung eines Gottesdienstes, den Bischof Jesus mit uns feiern wird. Wir haben einige neue Ideen und hoffen, sie werden dem Bischof gefallen: Kinder in Pacora wollen eine große Kette bilden mit weißen und gelben Fähnchen beim Einzug in die Kirche und in Illimo werden wir ein kleines Boot präsentieren als Zeichen, dass wir das Netz auswerfen, um Schüler als Missionare zu finden.
(15.12.) Die pastoralen Mitarbeiter sind intensiv dabei, die beiden Gottesdienste mit dem Bischof vorzubereiten, sodass mir die Zeit bleibt, die Notenlisten für meine Schulklassen fertig zu stellen, denn am 19.12. beginnen die großen Ferien. Bei meiner Ansprache im Radio von Illimo habe ich über den Bischofsbesuch gesprochen und die Hörer eingeladen, das Weihnachtsfest als Fest der Familie zu feiern.
(19.12.) Die Gottesdienste am gestrigen Sonntag mit Bischof Jesus sind gut verlaufen. Die Laien brachten ihre Dankbarkeit über meine Arbeit dem Bischof gegenüber zum Ausdruck. Ich glaube, er hat dies verstanden und er weiß, dass wir eine gute Arbeit machen. Beide Kirchen waren schon weihnachtlich geschmückt. Ich bin sehr froh und glücklich über die Arbeit der Laien, besonders von einigen wenigen, die Zeit im Übermaß aufbringen. –
Ich freue mich über deine (Hildegard) Mitteilung, dass im Konradsblatt ein Foto erschienen ist, bei dem ich beim großen Fest in Lima mit Pfarrer Wilfredo Woitschek den Händedruck austausche – ein Sinnbild für die starke Verbundenheit zwischen uns Peruanern und euch Deutschen. Vielleicht könnt ihr uns die ganze Ausgabe der Zeitung schicken (der Badenia-Verlag hat auf unsere Bitte entsprechend reagiert).
(21.12.) Heute habe ich meinem Postfach in Chiclayo drei große Umschläge entnommen: die Weihnachtspost von Erdmuthe, Brigitte und dir (Hildegard)! In meiner knapp bemessenen Zeit will ich versuchen, an möglichst viele von euch in Herz Jesu per Email Weihnachtsgrüße zu schicken.
(23.12.) Heute hielt ich einen Krankengottesdienst für die Alten; gottlob hatte eine Gruppe alles, auch die anschließende Zusammenkunft gut vorbereitet; mit Hilfe eurer Partnerschaftskasse konnten wir Panetón und Schokoladegetränk anbieten. Am Abend um 19.00 Uhr feierten wir in Illimo und eine Stunde später in Pacora Gottesdienste – auch hier aßen wir danach Panetón und Hähnchen. Am Tag besuchte ich in den Gemeinden einige Mitarbeiter und brachte kleine Geschenke.
(29.12.) In Pacora hatten wir heute eine Sitzung von Catequesis familar; wir betrachteten und bewerteten unsere Arbeit in 2011 und besprachen die Schwerpunkte der Arbeit in 2012. Morgen in der Frühe spreche ich im Radio Illimo, mache anschließend Familienbesuche und habe danach die gleiche Sitzung von Catequesis familiar wie in Pacora. Für den Abend haben mich Schüler in Pacora um einen Schulabschluss-Gottesdienst gebeten. Die Schüler möchten ihr Schuljahr mit dem Segen Gottes beenden. Gestern regnete es; der Fluss Leche hat viel Wasser, sodass die Bauern mir der Aussaat von Reis beginnen können.
(03.01.) Ich wünsche sehr, dass das neue Jahr gut für euch alle wird und dass die Kommunikation zwischen uns trotz der großen Entfernung erhalten bleibt. In diesen Tagen feiern wir in Illimo wieder das religiöse Fest vom Gotteskind der Könige mit dem zentralen Tag am 06. Januar. Für mich ist es mehr ein heidnisches Fest und berührt mich kaum. Ein religiöses Fest wird missbraucht für den Kommerz, Vergnügungen, Tanz und Alkohol. Glücklicherweise dauert das Fest nur drei Tage; ich beschränke mich auf die Gottesdienste. Alles Andere organisiert eine Bruderschaft; die pastoralen Mitarbeiter der Pfarrei sind nicht beteiligt. – Wir haben große Hitze bei brennender Sonne; der Sommer ist voll da.
(07.01.) Gestern feierten wir wieder den monatlichen Partnerschaft-Gottesdienst. Johanna trug eine Kerze durch die Kirche; wir alle verließen die Bänke, folgten ihr zum Stern an der Krippe. Dort sprachen wir unsere Fürbitten und beteten für die Partnerschaft und alle Schwestern und Brüder in Herz Jesu. Anschließend sprachen wir bei Kaffee und Panetón über die Bedeutung des neuen Leitworts der Partnerschaft: „Somos iglesia: al servicio de la vida y de la creación“ – d.h. in etwa: „Wir sind Kirche für den Dienst am Leben und an der Schöpfung“.
(08.01.) Der Voluntario Samuel Nann aus Herz Jesu hat mir eine Email geschrieben. Er ist im einjährigen Einsatz in Trujillo in der Pfarrei seines Onkels, der dort als Priester der Erzdözese Freiburg seinen Dienst tut. Samuel will uns Ende Januar für eine Woche besuchen. – Ich fahre heute zu Exerzitien der Priester nach Chiclayo. Ich brauche diese Ruhe, damit wieder Frieden und Freude in meinem Herzen einkehren kann nach manchen Enttäuschungen im Bereich von Catequesis familiar und auch mit der Partnerschafts-Gruppe.
(11.01) Wir hatten die zwei Exerzitien -Tage zusammen mit unserem Bischof, 50 Priester. Wir hörten Vorträge eines italienischen Priesters, der leider ein schlechtes Castellano sprach und nicht viel von der Realität der Lateinamerikaner und noch weniger von der der Peruaner kennt. Ich habe meine eigene Literatur gelesen, so die Dokumente von Aparecida und Briefe des Apostels Paulus in der Vorbereitung auf das Fest des hl. Paulus in Pacora Ende Januar. Bei der Post habe ich ein großes Paket von Coco für Miguel und seine Familie entgegengenommen und viele Briefe; für mich war eine Tafel Schokolade dabei!
(20.01.) Bischof Jesus hat Priester und Laien für drei Tage nach Chiclayo eingeladen; aus Illimo und Pacora waren 15 Personen dabei – aus der ganzen Diözese ca. 300. Wir haben uns in Gruppen mit dem Thema „Ist die Diözese Chiclayo glaubhaft?“ auseinandergesetzt. Laien waren der Meinung, dass die Diözese nicht in allem glaubhaft ist und Priester klagten für sich über eine mangelnde Spiritualität – viele Priester konzentrieren sich nur auf den Kult. Ein zweites Thema lautete: „Sind wir gute Schüler von Jesus?“
(22.01.) Auf morgen hat sich Samuel angesagt; Augusto und Miguel werden ihn an der Busstation abholen. Wir haben ein Programm vorbereitet und werden dies gleich mit ihm besprechen. Den morgigen Sonntag wird Samuel mit Miguel und den Jugendlichen verbringen.
(26.01.) Gestern begingen wir in Pacora das Fest von der Bekehrung des Apostels Paulus; Samuel hat wie Coco im letzten Jahr zusammen mit Graciela und Jisela, die sich sehr mit ihm angefreundet haben, ministriert. Samuel ist häufig mit Miguel, Jisela, Augusto, Dominica, Maria und Maria Isabel zusammen.
(31.01.) Die Partnerschaftsgruppe hatte sich am Freitag mit Samuel getroffen und wir sprachen von seinen Erfahrungen hier; er sagte, er habe in Herz Jesu immer wieder einmal von der Partnerschaft gehört, jetzt aber erst weiß er, dass dies ein große Gemeinschaft, ja eine Familie ist. Er möchte zusammen mit Coco nach seiner Rückkehr nach Deutschland in der Partnerschaft mitarbeiten. Ich glaube, die Anwesenheit von Samuel hat uns gut getan und wieder gezeigt, was Partnerschaft für uns bedeutet. Viele von uns haben sich viel Zeit genommen für diese Begegnung.
(02.02.) Ein Freund von mir, ein Musiklehrer, hat mich besucht. Wir sprachen über die Möglichkeit, in unseren Gemeinden in diesem Jahr einen Musik-,Gesang- und Theaterkurs zu organisieren. Wir wollen im März mit einem Versuch mit Kindern und Jugendlichen beginnen. So hoffe ich, dass unser Gesang bei den Gottesdiensten besser wird. –
Die Hitze hier ist weiterhin sehr stark bei 30 Grad; wir werden euch in euren Winter in Deutschland ein wenig davon schicken!
(03.02.) Eine große Freude habe ich über eure Mitteilung, dass die Frauengemeinschaft von Herz Jesu beschlossen hat, einen Essenplatz in der Kinder-und Altenküche zu finanzieren; sagt bitte den Frauen meinen großen Dank dafür!
(09.02.) Heute feierten wir in Pacora den Partnerschafts-Gottesdienst; wir beteten wieder für die „Geburtstagskinder“ im Monat Februar: Coco, Jisela und Brigitte (29.02!) und für alle in eurer Peru-Gruppe. Nach dem Gottesdienst hielt ich einen kurzen Vortrag über die Minen-Problematik in Cajamarca. Die nördlichen Regionen in Peru (Campesinos von Cajamarca, Chiclayo, Trujillo und Ancash u.a.) bereiten einen „nationalen Marsch für das Wasser“ nach Lima vor zur Mobilisierung der Verteidigung und Erhalt der Lagune von Cajamarca.
(10.02.) In der vergangenen Nacht hat es stark geregnet; in den Straßen von Illimo steht das Wasser. Der Fluss Leche ist über die Ufer getreten.
(11.02.) Bischof Jesus hatte mich zum Gepräch zu sich gebeten. Wir hatten ein sehr langes Gespräch, das ich so zusammenfassen möchte: Der bisherige Pfarrer von Mochumi, Padre Fidel Punisaca Vigil, wird zum 26.02. als Pfarrer nach Pacora versetzt; ich bleibe Pfarrer von Illimo. Ich bin dem Bischof dankbar für diese Entscheidung; ich werde damit künftig von der schweren Doppelbelastung, Pfarrer von zwei Gemeinden zu sein, befreit. Ich glaube, dass meine brüderliche Beziehung zu meinem Bischof durch die Partnerschaft nicht gelitten hat. Jesus Moliné hat sich mir gegenüber sehr verständnisvoll gezeigt. Ich werde den Leuten in den Gottesdiensten am Samstag/Sonntag diese Entscheidung mitteilen, weiß aber noch nicht, wie sie reagieren werden.
Graciela schreibt:
(12.02) Ihr sollt wissen, dass wir hier in Pacora großen Kummer haben: Padre Lucho wird künftig nicht mehr unser Pfarrer sein; ein neuer Priester kommt nach Pacora. Wir haben Kummer, obwohl wir hoffen, dass wir unsere bisherige Pastoral fortsetzen können: Arbeiten mit Catequesis familiar, christliche Gemeinschaften, Ministranten u.a. Padre Lucho war 28 Jahre unser Pfarrer; wir haben sehr viel von ihm gelernt, vor allem ich habe viel von ihm gelernt und erhielt immer wieder ermunternde Ratschläge. Aber wir müssen die Entscheidung von Bischof Jesus akzeptieren. Wir legen alles in Gottes Hand, dass er den neuen Pfarrer erleuchten möge. Wir werden unseren Pfarrer sehr vermissen, erlebten wir doch in Padre Luis Esteban Santamaria Acosta einen ganz besonderen Menschen. Wir hoffen, dass wir auch in Zukunft in Kontakt bleiben und wir unsere Freundschaft mit ihm fortsetzen können. Wir sind Padre Lucho auch dafür dankbar, dass wir über die Partnerschaft euch und die Pfarrei Herz Jesu kennen lernen durften.
Padre Lucho schreibt:
(13.02) Als ich im Gottesdienst in Pacora den Leuten meinen Weggang mitteilte, weinten einige – besonders betroffen zeigen sich die engsten Mitarbeiter. Es sind besonders die Sorgen wegen des Aktivwerdens des neuen Pfarrers, seiner Arbeitsmethoden. Ich habe Sorgen im Blick auf die Fortführung der pastoralen Arbeit. Aber für mich persönlich ist es eine gute Entscheidung, weil meine Doppelbelastung endet und ich damit mehr Zeit für die Pfarrei in Illimo und die Schule haben werde.
(14.02) Der neue Pfarrer stammt aus Jayanka, nahe bei Pacora, und er wird bei seinen Eltern wohnen. Er ist ein Priester des Opus dei; was ich von ihm weiß, ist, dass er großen Wert auf den Kult legt. Ich hoffe aber und glaube, dass die verantwortlichen Laien ihre Rechte einfordern werden. Ich weiß auch nicht, was er von der Partnerschaft hält. –
Die Überschwemmung durch den Fluss Leche kommt daher, dass es zwei Nächte ununterbrochen geregnet hat. Miguel als Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung, ist als Koordinator des Zivilschutzes im Einsatz. Es regnet nicht mehr und die Gefahr ist damit offensichtlich gebannt.
(22.02) Heute habe ich den ganzen Tag die Unterlagen zusammengestellt für die Übergabe der Geschäfte an den neuen Pfarrer von Pacora. Morgen werde ich letztmals im Radio Pacora sprechen; es ist Aschermittwoch und ich werde den Hörern meinen Weggang erklären.
(23.02.) Danke für eure Glückwünsche zu meinem Weihetag, die ich soeben um 24.00 Uhr lese! Ich habe heute in Illimo und Pacora die Gottesdienste gehalten, dabei den Leuten die Asche auf die Stirn gegeben und die Personen, soweit ich sie kannte, mit Namen angesprochen.
(25.02) Gestern an meinem Weihetag hatten wir in Illimo einen sehr schönen Gottesdienst bei einer vollen Kirche. Sehr beeindruckt hat mich die Präsentation der pastoralen Mitarbeiter beim Opfergang: Jeder Mitarbeiter hatte eine große Gladiole in der Hand und in jeder Blume steckte ein kleiner Zettel mit einem Wort der Wertschätzung: Freundschaft, Gerechtigkeit, Frieden etc., Werte, die sie in ihrem Leben zusammen mit mir gelernt hatten. Mit einem Lied banden sie die Blumen zu einem großen Strauß. Nach dem Gottesdienst boten sie allen in der Kirche einen Schluck Wein, Bonbons und kleine Häppchen an. Ich empfand dies alles als das Sinnbild einer großen Familie. – Ich traf heute in Pacora mit dem neuen Pfarrer zusammen. Er bat mich, Maria Isabel, die Pfarrsekretärin, und Graciela, die Küsterin, mit Wirkung vom 29. Februar aus ihrem Dienst in der Gemeinde zu verabschieden. Ich gab ihm zu bedenken, dass er beide Mitarbeiterinnen doch brauche, bis er im Dorf und in der Gemeinde alles gut kennt. Aber er sagte mir, dass er schon wisse, wie alles zu regeln sei. Ich sprach mit Maria Isabel und Graciela; sie sind sehr bekümmert, weil sie danach ohne Arbeit und ohne Lohn sind.
Morgen um 20.00 Uhr werde ich beim Gottesdienst mit dem Bischof meine Verantwortung für die Gemeinde San Pablo an den neuen Pfarrer Fidel Punisaca Vigil übergeben.
(26.02) Sehr spät am Abend bin ich heute aus Pacora zurückgekommen. Seit vier Stunden bin ich kein Pfarrer mehr von Pacora! Die pastoralen Mitarbeiter bereiteten den Gottesdienst als eine Danksagung für meine Arbeit. Beim Opfergang brachten die Leute Zeichen meiner Arbeit mit den Kindern, den Jugendlichen, den Mitarbeitern von Catequesis familiar, den christlichen Gemeinschaften, den Kranken, der Radioarbeit und legten alle diese Zeichen in die Hände des neuen Pfarrers mit dem Wunsch, er möge diese pastorale Arbeit fortsetzen.
Die Mitarbeiter sangen auch ein Lied, das sie für mich gefertigt hatten. Mir scheint, all dies hat dem Bischof nicht gefallen. Auch der Bürgermeister von Pacora sprach und übergab mir eine Auszeichnung, ein Andenken mit Inschrift und dem historischen Muster von „Senor Sipan“.
Der Peru – Ausschuss (Übersetzungen: Hildegard Löhr; Zusammenstellung: Gerhard Löhr)